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Hintergründe und Auswirkungen häuslicher
Gewalt |
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Um den Teilnehmerkreis dieses Familienbildungsangebots auf die Bewältigung möglicher Konfliktsituationen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt zu schulen, können Formen des Rollenspiels genutzt werden. Rollenspiele dienen zur Verbesserung von Kommunikation, Interaktion und Zusammenarbeit und vermitteln Verständnis von verschiedenen Positionen, Rollen, Zwängen und Motiven der Partner. Hier können Konfliktlösungsstrategien entwickelt, Fähigkeiten zur Wahrnehmung eigener Interessen geschult und strategisches Herangehen und Durchsetzungsfähigkeiten erprobt werden.
Das Rollenspiel kann zur Erarbeitung positiver Konfliktlösungen genutzt werden. Durch das Hineinschlüpfen in die vorgegeben Rollen wird zunächst geübt, Situationen aus der Perspektive einer anderen Person zu sehen. Die Zuschauer werden angehalten, genau zu beobachten und das Geschehen zu verbalisieren. Es geht darum, dass die Teilnehmer ihre Wahrnehmungsfähigkeit trainieren und sich in die Gedanken und Gefühle anderer Personen hineinversetzen. Es sollen positive Konfliktlösungsmöglichkeiten erarbeitet und dargestellt werden. Nach Konfrontation und Auseinandersetzung mit einer spezifischen Konfliktsituation muss sich eine Phase der Erarbeitung einer oder mehrerer Konfliktlösungen anschließen. Die Zuschauer sollen durch Beschreiben und Kommentieren der Szenen aktiv mitarbeiten. Hierbei können die verschieden Techniken zum Einsatz kommen:
Rollentausch
Spieler einwechseln
Hilfs-ICH (Einem oder mehreren Spielern werden Hilfspersonen zugeordnet, die hinter ihnen stehen und immer das sagen, was in der Rolle nicht gesagt werden kann: Gefühle äußern, heimliche Gedanken ...)
Spiel mit Gruppenschutz (für jede Rolle 3 Berater / Beratungspause / Tipps)
Zwischenbefragung (In Spielunterbrechungen werden die Zuschauer befragt, Empfehlungen werden berücksichtigt.)
Interpretationen
Mitspielen des Spielleiters, um Imitationsspiel in ein Konflikt-Rollenspiel zu verwandeln.
Die folgenden Schritte skizzieren den Ablauf eines Rollenspiels
Konflikt ausdenken, Rollen kurz skizzieren (Rollenspielplanung)
Einstieg in Spielform und Thema mit der Gruppe
Rollenspiel, evtl. mit zwischendurch Zuschauerbefragung, Rollenwechsel, Spielereintausch ...)
gemeinsame Diskussion des Spiels
evtl. Erspielen weiterer Varianten
Beispiele für einzelne Rollen:
Frau, die von ihrem Mann verprügelt wurde
Sie sind von ihrem Mann so geschlagen worden, dass Sie eine Platzwunde am Kopf haben.
Diesem Angriff ist ein heftiger Streit vorausgegangen. Es ging wieder um die Kinder.
Es ist nicht das erste mal, dass er handgreiflich wurde, aber diesmal ist es besonders schlimm, weil die Kinder dabei waren.
Sie sind unsicher, ob Sie Ihren Mann anzeigen wollen oder nicht.
Sie wissen nicht, wie das alles enden soll.
Sie fühlen sich schlecht.
Sie brauchen Hilfe.
NachbarIn
Sie hören Schreie und Wimmern aus der Nachbarwohnung.
Sie haben die Nachbarin schon häufig mit verweinten Augen gesehen.
Der 6-jährige Sohn der Nachbarn macht auf Sie manchmal einen bedrückten Eindruck.
ÄrzIn
Die Patientin klagt über Herz-Kreislaufstörungen.
Bei der Untersuchung sehen Sie eine frische Wunde am Kopf.
In den Protokollen vorangegangener Konsultationen lesen Sie, dass die Frau Ihre Sprechstunde vor 2 Monaten wegen einer Prellung am Oberarm aufgesucht hatte.
Anleitung
Es werden drei freiwillige SpielerInnen ausgewählt. Die vorgegebenen Rollen werden verteilt. Die DarstellerInnen und die restliche Gruppe werden mit den Rollen vertraut gemacht. Die SpielerInnen skizzieren gemeinsam den inhaltlichen Spielverlauf. Sie beginnen zu spielen. Das Spiel sollte 20 bis 30 Minuten dauern. Unter Berücksichtigung anderer Spieltechniken (s.o.) kann das Spiel wiederholt werden.
Auswertung
Die aktiven SpielerInnen werden gefragt, wie sie sich in der Rolle fühlten. Die zuschauende Gruppe wird gefragt, wie sich die Rollen für sie anfühlen.
Situation von Frau P.
Frau P. ist seit 10 Jahren verheiratet. Das Ehepaar hat zwei gemeinsame Kinder, die 9-jährige Sabine und den 5-jährigen Thomas. Frau P. arbeitet als Kassiererin in einem Supermarkt. Herr P. ist Angestellter bei einer Versicherungsgesellschaft. Die Familie wohnt seit zwei Jahren in dem lang ersehnten Reihenhaus.
Frau P. hat in der Woche wenig Zeit für die Familie, da sie oft bis abends arbeiten muss. Dann holt der Vater beide Kinder aus der Kita ab. In letzter Zeit ist es mehrfach vorgekommen, dass er die Kinder nicht rechtzeitig abgeholt hat. Dann kam es immer zum Streit zwischen den Eltern.
In solchen Auseinandersetzungen war Herr P. schon immer leicht erregbar und aggressiv. Vor fünf Jahren fing er an, gewalttätig gegen seine Frau zu werden. Zunächst hat er sie angeschrieen und beschimpft. Anfangs dachte Frau P., sein Verhalten wäre Ausdruck seiner Liebe zu ihr. Später schlug er sie auch. Immer hoffte sie, dass es besser wird: z.B. durch das zweite Kind, das neue Haus.... Aber eigentlich hat sich die Situation eher verschlechtert.
Vor einigen Tagen hat Herr P. seiner Frau mit der Faust ins Gesicht geschlagen und getreten. Mit dem blauen Auge traute sich Frau Peters nicht zur Arbeit.
Anleitung
Ziel ist es, die konkreten Schwierigkeiten einer Trennung bzw. einer Flucht zu überlegen und gefühlsmäßig nachzuvollziehen und somit ein Bild von der psychischen und sozialen Situation der betroffenen Frau zu vermitteln.
Hierzu können die folgenden Fragen in kleinen Gruppen bearbeitet werden:
Was spricht für eine Trennung? Was ist dazu notwendig? Was erleichtert diesen Schritt?
Was spricht gegen eine Trennung? Was hindert daran? Was erschwert diesen Schritt?
Die Gedanken, die für eine Trennung und gegen eine Trennung sprechen, sollten in der Gruppe diskutiert und schriftlich stichpunktartig festgehalten werden.
Auswertung
Die Diskussionsergebnisse werden in der gesamten Gruppe präsentiert und gemeinsam diskutiert.
Situation von Anne und Klaus
Anne und Klaus sind seit 3 Jahren befreundet. Sie wohnen seit 2 Jahren in der lang ersehnten schönen neuen Wohnung. Klaus ist Alleinmieter. Kurz nach dem Einzug wird Klaus zum ersten Mal handgreiflich. Es wiederholt sich immer häufiger. Nach den Schlägen entschuldigt er sich immer wieder und verspricht, es kommt nie wieder vor. Anne glaubt ihm zunächst, aber ihre Hoffnung auf Besserung erfüllt sich nicht. Als er sie so geschlagen hat, dass sie im Krankenhaus mit einem Kieferbruch behandelt werden muss, fasst sie den Entschluss, dass es so nicht weitergehen kann.
Sie beantragt eine zivilrechtliche Schutzanordnung, die das Gericht auch umgehend erlässt.
Anleitung
Hierzu können die folgenden möglichen Sachverhalte in kleinen Gruppen bearbeitet werden:
Klaus ruft Anne regelmäßig an. Anne hat Angst.
Klaus wartet vor dem Haus, um noch einmal mit Anne zu sprechen.
Anne lässt Klaus wieder in die Wohnung.
Klaus entwendet Anne die Schlüssel und geht in die Wohnung
Die Nachbarin stellt fest, dass Klaus morgens aus der Wohnung kommt.
Klaus wird wieder gewalttätig.
Klaus kündigt seinen Mietvertrag vor Ablauf der Schutzanordnung.
Klaus stellt die Mietzahlungen ein.
Anne will nach Ablauf der Schutzanordnung in der Wohnung bleiben.
Anne will nach dem Ablauf der Anordnung aus der Wohnung ausziehen.
Auswertung
Wichtig ist für die Auswertung, dass in der Gesprächsrunde deutlich wird, dass es unterschiedliche Lösungswege gibt und auch noch keine gesicherte Rechtssprechung für die einzelnen Beispiele existiert. Es kommt vielmehr darauf an, über Lösungsmöglichkeiten nachzudenken und entsprechende Handlungsstrategien zu entwickeln.
[1] Dieses Beispiel wurde den Arbeitshilfen für die interdisziplinäre Intervention, einem Material zur häuslichen Gewalt des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit entnommen. (Seite 115)
[2] Dieses Beispiel wurde den Arbeitshilfen für die interdisziplinäre Intervention, einem Material zur häuslichen Gewalt des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit entnommen. (Seite 103 ff)
[3] Dieses Beispiel wurde den Arbeitshilfen für die interdisziplinäre Intervention, einem Material zur häuslichen Gewalt des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit entnommen. (Seite 86 ff)